Weshalb Adobe sein jährliches Mitarbeitergespräch abgeschafft hat

Sollten andere Unternehmen dem Beispiel Adobe folgen und einen Wechsel vom Mitarbeiterjahresgespräch hin zu einem kontinuierlichen Feedback-Prozess vornehmen? Um diese Frage zu beantworten, ist es zunächst einmal entscheidend zu verstehen, warum Adobe diese Entscheidung getroffen hat, wie die Alternative des Unternehmens funktioniert und wie die Resultate dieser drastischen Veränderung aussehen.

Das Mitarbeiterjahresgespräch verursachte ernsthafte Probleme

Die vier Hauptgründe, weshalb Adobe sich von Mitarbeiterjahresgesprächen losgesagt hat, sind leicht zu verstehen.

Erstens fürchteten Mitarbeiter diese Review-Meetings, weil sie nur einmal im Jahr stattfanden. Die Ungewissheit in den langen Monaten zwischen den Mitarbeitergesprächen erzeugte eine sehr angespannte und in negativem Sinne wetteifernde Arbeitsatmosphäre. Dementsprechend waren die Mitarbeiter nicht positiv aufgeschlossen gegenüber ihrem jährlichen Feedback. 
Aus Sicht eines Managers war es nahezu unmöglich, sich an das Verhalten eines Mitarbeiters am Anfang des Jahres zu erinnern oder es bis dorthin zurückzuverfolgen. Demnach gründete sich das Feedback des Managers eher auf jüngste Vorkommnisse als auf die Entwicklung über das gesamte Jahr betrachtet: Das gegebene Feedback widerspiegelte folglich nicht die wirklichen Leistungen der Mitarbeiter.

Zweitens war das Mitarbeitergespräch vergleichbar mit einem Blick in den Rückspiegel. Das Hauptaugenmerk lag einzig und allein auf der Vergangenheit, anstatt auf dem künftigen Wachstum und der vorwärts gerichteten Entwicklung des Mitarbeiters.

Drittens lautet einer der Grundwerte von Adobes Unternehmensphilosophie, dass die Mitarbeiter das wichtigste Kapital des Unternehmens sind. Allerdings zeigten die Umfragen, die Adobe nach ihren Mitarbeiterjahresgesprächen durchführen ließ, wie diese in Wirklichkeit destruktiv gegenüber diesem Konzept wirkten. Die Mitarbeiter waren nach ihrem Jahresgespräch weniger motiviert, und mehr Mitarbeiter verliessen das Unternehmen letztendlich freiwillig während dieser Periode.

Schlussendlich kostete das Jahresgespräch Adobe unverhältnismäßig viel Zeit und Geld. Die Abteilungsdirektoren benötigten neun Monate, um den gesamten Prozess zu koordinieren und die Manager eine Gesamtsumme von 80’000 Stunden für die Durchführung.

Anstelle von Jahresgesprächen begrüßt Adobe nun vierteljährliche „Check-ins“

Adobe hat das Berichtssystem neu erfunden, indem das Unternehmen, den von ihm als „Check-in-Methode“ bezeichneten Ansatz eingeführt hat. Ziel der Führungskräfte war es hierbei, regelmäßig und auf natürliche Art und Weise konstruktive Kommentare mit Echtzeit-Feedback gegenüber Mitarbeitern zu äußern, damit jeder Einzelne nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag weiss wo er steht und wie er sich verbessern kann. Das informelle “Check-in” gibt Managern die Freiheit, ihre Teammitglieder im Arbeitsalltag zu coachen: Genau dann, wenn ihr Feedback für die Mitarbeiterentwicklung am wichtigsten ist. Während die Check-in-Gespräche mindestens einmal im Vierteljahr stattfinden müssen, können Manager auch entscheiden, Echtzeit-Feedback öfter zu geben.

Die „Check-in Methode“ in der Praxis

Der erste Schritt oder Check-in am Anfang der vierteljährlichen Periode besteht darin, zusammen mit den Mitarbeitern klare Erwartungen festzulegen, damit sie verstehen, worauf sie ihr Hauptaugenmerk richten sollen und was ihre Ziele sind.

Der zweite Schritt beinhaltet kontinuierliches Feedback der Manager, Kollegen oder anderer Partner darüber, wie die Mitarbeiter ihre Tätigkeit im Verhältnis zu ihren Ziele ausüben. Die Flexibilität dieser Zeitspanne erlaubt den Führungspersonen, die Mitarbeiter persönlicher und nach jeweiligem Bedarf anzusprechen, so dass sie empfänglicher für konstruktives Feedback sind.

Der dritte Schritt der Check-in-Methode erfolgt gegen Ende jedes Vierteljahres. Zu diesem Zeitpunkt besprechen jeder Mitarbeiter und sein jeweiliger Abteilungsleiter den Gesamtüberblick der Bereiche, in denen er gute Leistungen gezeigt hat und der Bereiche, in denen es noch Möglichkeiten der Weiterentwicklung gibt um die Ziele zu erreichen.

Auswirkung auf die Mitarbeiter

Donna Morris, Senior Vice President im Bereich Global People Resources von Adobe teilte dem Autor Bob Sutton mit, dass jetzt 78 Prozent der Mitarbeiter glauben, dass Ihr Manager „offen für Feedback von Ihnen ist“, was ein bedeutender Anstieg im Vergleich zu früheren Umfragen ist. Seitdem dieser neue Ansatz das Jahresgespräch von Adobe um die Elemente Fairness und Genauigkeit ergänzt hat, erhöhte sich auch das Engagement der Mitarbeiter sowie die allgemeine Arbeitsmoral.

Auswirkung auf die Abteilungsleiter

Die Methode des regelmäßigen Feedbacks hat den Verwaltungsaufwand der Leistungsbeurteilung für die Manager ebenfalls bedeutend erleichtert, indem relevante Daten das gesamte Jahr über gesammelt werden. Darüber hinaus erlauben die häufigeren Besprechungen den Managern, ein zeitnaheres und relevanteres Feedback abzugeben, um auf beweglichere Art und Weise auf die Leistung ihrer Mitarbeiter einzuwirken.

Auswirkung auf das Geschäft

Die Organisation von Adobe als Ganzes ist produktiver geworden. Das Prinzip von Adobe, dass jeder Einzelne bessere Leistungen erbringt, wenn er fortlaufend weiß, „woran er ist“, hat ein flexibles System von Echtzeit-Feedback geschaffen, um allen Mitarbeitern sowohl konstruktive Kritik als auch positive Verstärkung zu übermitteln, wenn sie am nötigsten gebraucht werden. Demzufolge kann man sehen, weshalb Adobe berichtet, dass nun 30 Prozent weniger Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen. Darüber hinaus ist die Anzahl der Mitarbeiter, die das Unternehmen unfreiwillig verlassen, um 50 Prozent angestiegen, da die Manager die „schwierigen Gespräche“ gleich führen können, ohne wie vorher bis zum Ende des Jahres warten zu müssen.

Das Ergebnis: Adobe hat jetzt nicht nur mehr Mitarbeiter, die wirklich gerne dort arbeiten, sondern sie haben nun auch mehr Leute, die in ihrer Firma als besonders wertvoll erachtet werden.

Die gute Nachricht ist, dass Ihr Unternehmen ähnliche Ergebnisse erzielen kann, und zwar mithilfe unserer Cloud-basierten Applikation, die direkt umsetzbares 360-Grad-Feedback zwischen Mitarbeitern das ganze Jahr über ermöglicht.